Artikel vom 24.03.2020

Ungewisse Zeiten für Brautpaare: Coronavirus verdirbt die Hochzeit



Das Brautkleid ist bestellt - aber jedes Kirchentor versperrt, Gasthöfe und Restaurants geschlossen. Corona durchdringt den Alltag, und die Einschränkungen erfassen sämtliche Bereiche. Derzeit bangen viele Brautpaare um ihre Hochzeit: Fest absagen, Termine verschieben? Und macht Heiraten in Zeiten von Corona überhaupt Sinn?

Kirchliche Trauung geplatzt

Das Brautkleid ist ausgesucht, aber die Freude getrübt. Denn die Anprobe des fertigen Hochzeitsoutfits muss ausfallen: In Bielefeld, NRW, bringt jetzt der Paketbote das Hochzeitskleid. Eigentlich hatte das Paar die kirchliche Trauung für Ende Juni geplant, plus rauschendem Event für 100 Hochzeitsgäste. Glück im Corona-Unglück: Auf dem Standesamt waren die Bielefelder schon 2018. Dort stehen trotz Pandemie aktuell über 300 Trauungen auf dem Kalender, allein gute 100 für den April. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt: Abgesagt habe noch niemand, so die Stadt Bielefeld.

Bundesweit Trauungen nur unter Auflagen

Nicht nur im Standesamt Bielefeld hat man die Zahl anwesender Personen unromantisch auf das Wesentliche reduziert: Nur die Brautleute, Trauzeugen und unverzichtbare Dolmetscher dürfen dabei sein. Familie und Freunde müssen vor der Trauzimmertür warten - mit zwei Metern Sicherheitsabstand. Überall wird die Zahl des "Gefolges" bei der Trauung abgesenkt. Allerdings scheint dies jede Gemeinde unterschiedlich zu handhaben. Verändert auch das vor der Trauung obligatorische Telefonat, um letzte Fragen zu klären. Jetzt weisen Standesbeamte zusätzlich auf Sonderregelungen angesichts der Corona-Krise hin: Bitte die Zahl von zehn Gästen nicht überschreiten - und ältere Angehörige nicht gefährden! Generell zeigt die Erfahrung: Die Zahl der Gäste im Standesamt steigt mit Temperaturen und Sonnenstand. Anscheinend haben im März weniger Freunde und Verwandte Lust, bei standesamtlichen Trauungen zugegen zu sein als in Mai oder Juni.

Einsames Ja-Wort in Hamm, NRW

In Hamm gilt das Zutrittsverbot sogar für Trauzeugen. Doch auch dann begegnen sich Brautpaar und Standesbeamter nicht Auge in Auge, sondern mit zwei Metern Distanz. Daneben steht die Flasche mit Desinfektionsmittel. Ein Zeitlimit sagt: Nach 15 Minuten muss Schluss sein! Das ist vielen Paaren dann doch zu frustrierend: Das Standesamt Hamm verzeichnet Absagen. 120 standesamtliche Trauungen waren bis Ende April bei der Stadt angemeldet, aber nur gut 40 Brautleute halten am Trautermin fest. Warum? Darüber lässt sich nur spekulieren: Schließlich gibt es durchaus rechtliche und private Gründe, auch in Corona-Zeiten zu heiraten.

Kontakt zum Standesamt per Post oder E-Mail

In Göttingen, Niedersachsen, hat man das Standesamt komplett geschlossen. Geburten und Sterbefälle werden durch Klinikkurier bzw. Bestatter mitgeteilt und weiter bearbeitet. In dringenden Fällen können Bürger per E-Mail Kontakt aufnehmen - und erhalten dann einen Termin, nach Dringlichkeit gestaffelt. Getraut wird nur noch mit Ausnahmegenehmigung. Sie sind schon vermählt, aber benötigen die Heiratsurkunde? Vielerorts in Deutschland kann diese nur noch online angefordert werden. Anmeldung zur Eheschließung? Oft nur auf dem Postweg zu beantragen; Absprachen werden schriftlich oder am Telefon getroffen. Besonders bitter trifft es Brautpaare in Bayern: Im Zuge scharfer Ausgangsbeschränkungen lösen sich derzeit alle Pläne für Gottesdienst und Hochzeitsempfang auf Bayerischem Boden in Luft auf.

Hochzeitsgäste per Video dabei

Kirchlicher Trautermin oder komplette Hochzeit um ein Jahr verschoben? Wer dies erlebt, weiß: Hochzeitsabsagen ziehen einen wahren Rattenschwanz nach sich. Alles, einfach alles fällt ins Wasser, vom Hochzeitsfotografen über Catering und Florist bis Honeymoon. Ein Paar mit Migrationshintergrund wollte überdies Verwandte aus Griechenland und Spanien zur Hochzeit anreisen lassen. Diese konnten jetzt trotzdem bei der Hochzeit dabeisein: Der Bruder der Braut drehte ein Video der Trauung - und übertrug es direkt in die geschlossene Facebook-Familiengruppe. Nebeneffekt: Viele Senioren unter den Eingeladenen kamen so mit Hilfe der Jüngeren erstmalig mit Social Media in Kontakt. Die Braut ist übrigens Griechin und wollte nicht länger aufs Ja-Wort warten: Bei Absage der standesamtlichen Trauung hätte sie erneut Papiere beantragen und eigenhändig in Griechenland anfordern müssen.

Hoffen und Bangen: Einladungen verschicken oder nicht?

Warum nicht dort heiraten, wo es dank lockerer Regularien am einfachsten geht? Wechseln ist nicht so einfach, denn das örtliche Standesamt bleibt weiter zuständig. Zumindest soll es unkompliziert möglich sein, Termine zu verschieben - formlos, ohne Nachteile für die Brautleute. Auch Gebühren sollen nicht verfallen. Derzeit kann jedoch niemand kann sagen, wann die Vorsichtsmaßnahmen wieder aufgehoben werden. Also herrscht Hoffen und Bangen: Lohnt es sich überhaupt, Einladungen zu verschicken? Oder ist das Ganze ein Luxusproblem, während es für andere Menschen angesichts Covid-19 ums nackte Überleben geht?

Fest steht dennoch: Keine Hochzeit ist Selbstzweck für Zwei ...

... sondern ein Geschenk - an Familie, Freunde und Bekannte. Wer neu planen muss, sollte jetzt zügig handeln und das Gespräch mit allen Beteiligten suchen - von Eventlocation bis Hochzeitskutsche. Noch ein Jahr länger auf den schönsten Tag warten? Kein Problem - denn Vorfreude ist die schönste Freude!

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