Artikel vom 09.04.2019

Terminengpass im Standesamt: Keine Zeit für die Liebe?



Heiraten verboten - vorerst: Viele deutsche Standesämter haben Probleme, Termine für die Anmeldung zur Eheschließung zur vergeben. Wie in Berlin Lichtenberg bei Uwe Bleß und Lebensgefährtin Sylvia, die sich seit Monaten vergeblich darum bemühen. So schiebt Bürokratie so manchen Hochzeitsplänen einen Riegel vor - namens Personalmangel.

Aufgebot bestellen? Kein Termin zu haben

Als sei es nicht schon schwer genug, sich auf den richtigen Termin für die Hochzeit zu einigen! Für die Lichtenberger Uwe Bleß und Verlobte Sylvia sollte im Mai der große Tag sein. Das könnte eng werden: Seit ganzen acht Monaten bemüht sich das Paar um einen Termin - nicht für die standesamtliche Trauung, sondern zur Anmeldung der Eheschließung, früher Aufgebot genannt. Dies ist jedoch maximal sechs Monate vor der Trauung auf dem Standesamt möglich. Zuerst hatte es Bleß online versucht, aber die kommenden drei Monate waren komplett ausgebucht, und auch der persönliche Versuch blieb erfolglos.

Qualifizierung: Standesbeamter in zwei Wochen

Ja, man habe seit 2018 deutlich zu wenig Personal, arbeite aber neue Mitarbeiter ein, so Christoph Keller, Referent der zuständigen Bezirksstadträtin gegenüber dem Berliner Kurier. Mehr Geld vom Senat steht für Qualifizierungsmaßnahmen schon bereit. Das Problem: Bis die neuen Standesbeamten voll einsatzbereit sind, gehen Monate ins Land. Etwa zwei Wochen dauern diese Turbolehrgänge, die aktuell in vielen deutschen Kommunen laufen. Aber für die nicht jeder in Frage kommt, sondern streng genommen nur Verwaltungsbeamte mittleren oder gehobenen Diensts. Ab dem aktuellen Quartal soll sich die personelle Aufstockung auch in der Terminvergabe bemerkbar machen, ist Berlin optimistisch.

Heute leider nicht: Terminangebot personellen Möglichkeiten angepasst

Die Engpässe in Berlins Standesämtern sind schon länger bekannt, vor allem in Berlin Mitte und Pankow. Dort ist auf der Standesamt Website sinngemäß zu lesen: Hochzeit bitte erst planen, wenn die Anmeldung geklappt hat! Immer mehr Berliner heiraten. Am beliebtesten ist Charlottenburg-Wilmersdorf, an dessen drei Standorten in den letzten zehn Jahren knapp 18.000 Mal das Wort Ja! ertönte. Schließlich lockt man mit prächtigen Locations wie der Villa Kogge - unter den Top 100 der schönsten Standesämter Deutschlands - und dem burgähnlichen Rathaus Schmargendorf. Terminstress vor der Hochzeit? Ein Thema, das sich quer durch die Republik zieht: Am liebsten freitags oder sonnabends heiraten und das am besten bei Kaiserwetter - von Mai bis September. Da sind Enttäuschungen - Heiratslustige kassieren 2019 bei Terminanfragen regelmäßig Körbe. Nicht zuletzt, weil so manches Standesamt an bestimmten Tagen gar keine Termine vergibt: Zeitfenster en masse - aber keine Standesbeamten, die dann trauen können.

Hochzeitsplanung starten, auch ohne Trautermin?

Gelingt es, den Termin zur Eheschließung sechs Monate im Voraus zu ergattern, wartet das nächste Problem: Paare, die ihre Traumlocation wollen, müssen nicht selten mit über einem Jahr Vorlauf reservieren. Ämter wie Brandenburg, wo man inoffiziell ein Jahr im Voraus Termine reservieren kann, sind bundesweit eher die Ausnahme. Was bedeutet, schon mal mit der Planung zu starten, aber gleichzeitig beim Hochzeitsdatum im Nebel zu stochern. Am Samstag heiraten, wo die Personaldecke noch dünner ist, um Trauung und Hochzeitsfeier auf einen Tag zu legen? Vielerorts fast unmöglich. Heiß umkämpft auch dieses Jahr wieder: Besondere Hochzeitsdaten wie der 9.9.2019 oder der 19.9.2019 - unter Terminaspekten zum Glück ein Donnerstag!

Standesamt in Zeitnot - Gründe

Angesichts der angespannten Situation in den Standesämtern haben Geburten und Sterbefälle Vorrang. Gleichzeitig ist die Lust aufs Heiraten ungebrochen, die Scheidungsrate seit Jahren rückläufig. Die Gründe für den Personalmangel? Altersbedingte Abgänge häufen sich, und die Zusammenlegung von Ämtern in der Vergangenheit macht die Sache nicht besser. Auch die Ehe für alle ist Teil des Terminproblems. Denn viele Brautleute möchten ihre Lebenspartnerschaft zu dem Datum umwandeln, an dem sie diese erstmalig eintragen ließen. Kommt dann noch ein hoher Krankenstand hinzu, geraten Standesbeamte unter Zeitdruck - bemüht, Paare dies nicht merken zu lassen. Trotzdem haftet Trauungen zunehmend der Ruf der Massenabfertigung an. Den Standesbeamten vorher kennenlernen, um über Einzelheiten wie Ringtausch, Musik und Ehegelöbnis zu sprechen? In Berlin derzeit noch ein frommer Wunsch. Zumindest besteht die Möglichkeit, Persönliches über sich im Vorab mitzuteilen - in Form von Stichworten.

Standesamt wechseln, zweiten Wohnsitz beantragen?

Zu wenige Standesbeamte, keine Zeit für die Liebe? Heiraten ist großartig - und könnte gerade in der Hauptstadt so schön sein. Sprich, gerade Berlin könnte perfekt vom Hochzeitstourismus profitieren. Uwe Bleß und seine Verlobte überlegen jetzt, einen zweiten Wohnsitz in einem anderen Bundesland zu beantragen - um dort zu heiraten und so bald wie möglich auf Hochzeitsreise zu gehen. Spontan heiraten vom Amts wegen nicht machbar? Kein Problem: So bleibt zumindest genug Zeit, die Sache in Ruhe zu überschlafen ...

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