Artikel vom 12.12.2023

Hochzeit unterm Regenbogen: Ehe für alle hat's international weiter schwer



Der aktuelle Gaza-Krieg kennt unzählige menschliche Tragödien, trennt Familien, trennt Liebende. In Israel plante ein schwules Paar seine Hochzeit, doch die Hamas kam dazwischen. Überall auf der Welt steht auf gleichgeschlechtliche Liebe weiter oft Gefängnis oder Tod. Aber auch in Europa finden Homoehen nicht einhellig Zustimmung. Quo vadis, Ehe für alle?

Bräutigam vor der Hochzeit getötet

Alles war vorbereitet, für die Traumhochzeit von Sagi und Omer - dann kam die Hamas. Wenige Tage vor seiner Hochzeit wurde ein schwuler israelischer Soldat getötet. Um den Kibbutz Be'eri gegen Terroristen der Hamas zu schützen, hatte sich Sagi, Reserve-Kommandeur einer Eliteeinheit, zum Dienst gemeldet. Als er und seine Kameraden Verletzte in Sicherheit brachten, kam der junge Bräutigam ums Leben. Das Liebeslied des israelischen Sängers Ivri Lider, der sich als homosexuell geoutet hatte, spielte man nun nicht auf der Regenbogenhochzeit, sondern auf Sagis Beerdigung. Lider, höchstpersönlich am Grab des Soldaten erschienen, stimmte es selbst an.

Homosexuelle in Gaza mit dem Tod bedroht

Auch die israelische Botschaft in Deutschland berichtete auf Facebook darüber und veröffentlichte ein Bild des Paares. Kurz darauf erschienen unter dem Eintrag zahlreiche Beileidsbekundungen, aber auch Anfeindungen, die Israels Botschaft der Propaganda bezichtigten. Zum Hintergrund: Am 7. Oktober war die Hamas von Gaza nach Israel eingedrungen, hatte über 1.400 Menschen getötet und mehr als 200 Geiseln genommen. Anders als die Hamas erkennt Israel im Ausland geschlossene Homoehen übrigens an. Palästinenser dagegen, die ihre Homosexualität offen zeigen, riskieren zehn Jahre Gefängnis. So die offizielle Bekundung, denn inoffiziell müssen Homosexuelle in Gaza mit ihrer Ermordung durch Islamisten rechnen.

Harte Gangart in Afrika

Im Oktober wurden in Nigeria zweihundert Männer festgenommen, die in einem Hotel bei Warri im Bundesstaat Delta Hochzeit feierten. Als Polizeibeamte die Location stürmten, trafen sie auf Männer in Frauenkleidern, das Brautpaar sei als Braut und Bräutigam verkleidet gewesen, so der Polizeichef. Datenschutz und Respekt vor Persönlichkeitsrechten spielten für die Verantwortlchen eine eher untergeordnete Rolle: So brüstete sich der Polizeichef mit unverpixelten Bildern der Hochzeit - auf seinem privaten X-Account (vormals Twitter). Auch besäße er ein Video der Trauzeremonie. Auf 67 der Männer wartet eine Anklage; Amnesty International fordert, die Inhaftierten sofort freizulassen. Die Polizei hält dagegen: Man sei hier in Afrika und pflege eine andere Kultur als im Westen. Fakt, denn in vielen Ländern Afrikas ist Homosexualität noch strafbar. In Nigeria stehen darauf 14 Jahre Gefängnis, Ghana denkt über Verschärfungen für sich outende Schwule und Lesben nach. Uganda führte erst kürzlich die Todesstrafe für gleichgeschlechtliche Handlungen wieder ein.

Katholische Kirche erlaubt Segensfeiern

Nicht nur unter Christen und Muslimen wirkt die Macht der Religion immens. Weshalb diese frohe Kunde gläubige Regenbogenpaare in Deutschland besonders überraschen dürfte: Ab März 2026 will die katholische Kirche Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare realisieren. Ein deutliches Signal an die Weltkirche - und Katholiken aus der afrikanischen Kultur, die solche Partnerschaften kategorisch ablehnen. Gnadentheologisch sei es geboten, dass Menschen ihre Partnerschaft in Liebe zueinander und zu Gott lebten, so ein Beschluss der Synodalversammlung zur Reform der katholischen Kirche - namens "Segensfeiern für Paare, die sich lieben". 81 Prozent der Bischöfe stimmten zu. So können auch die Segen spendenden Seelsorger aufatmen statt Disziplinarverfahren zu befürchten. Rom jedoch sieht sexuelle Aktivitäten außerhalb der Ehe von Mann und Frau weiter als Sünde.

International Schweden Toleranzsieger

Wie das Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center in einer Erhebung unter 32 Teilnehmerstaaten herausfand, erntet die Homoehe bei den Schweden mit 92 % international die höchste Zustimmung. In Europa bilden Polen (41 Prozent) und Ungarn (31 Prozent) die Schlusslicher, in besagtem Nigeria kann mit zwei Prozent von Zustimmung nicht ansatzweise die Rede sein. Und in Deutschland? Nach sechs Jahren Ehe für alle, seit dem lange erkämpften Meilenstein-Stichtag 1. Oktober 2017, sinkt nun die Zahl gleichgeschlechtlicher Trauungen. Auch die Toleranz geht zurück.

Ehe für alle, aber nicht von allen gutgeheißen

Die Ehe für alle wurde mit 393 Ja-Stimmen gegenüber 226 Nein-Stimmen beschlossen - übergreifende deutsche Offenheit sieht anders aus. Eine Studie von Ipsos belegt, dass die Toleranz schwindet. Im Sommer 2023 waren weniger als zwei Drittel der Deutschen der Meinung, gleichgeschlechtliche Paare sollten den Bund fürs Leben schließen dürfen. Ganze 13 Prozent erklärten sogar, dass sie strikt dagegen seien. Ehe für alle? Auch eine Frage politischer Tendenzen. Vielleicht macht sich der Rechtsruck in Europa auch hier bemerkbar. So fordern zumindest Teile der AfD, die Ehe für alle wieder abzuschaffen.

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