Artikel vom 14.06.2023

Aus 100 mach 10! Exklusives Tiny Wedding im Trend



20 - 21 - 22 - Schluss! Manche Standesämter setzen Obergrenzen. Wie in Berlin bei wunderschönen Trauorten wie der historischen Klinikum-Kapelle. Auch sonst gehen Brautpaare vermehrt auf Tuchfühlung. Trauungen 2023 sind anders - kleiner, spontaner und unkonventioneller. Was fasziniert am Tiny Wedding?

Standesgemäße Gästezahl, dem Anlass angemessen

Der Wunschort war zu klein, denn das Standesamt Berlin Neukölln legte bei mehr als 22 Gästen sein Veto ein. Aus für Operation Jawort im Trauzimmer von OP-Saal und historischer Krankenhaus-Kapelle! Zum einen, weil einfach nicht mehr hineinpassen. Zum anderen, weil Berliner Budgetierung die Trauung auf zwanzig Minuten zurückgestutzt hat: Wie viel Zeit bleibt dann noch für das Ja! selbst, wenn ein Großteil für Stühlerücken und Platznehmen draufgeht?, lautete die berechtigte Frage. 22? Für immer mehr Brautleute eine ganze Menge. Wie für all jene, die es zum Heiraten in luftige Höhen zieht. Der Leuchtturm auf der Insel Pellworm ist solch ein Sehnsuchtsort. Bis dato hat seine magische Anziehungskraft über 3.500 Ehen gestiftet. 140 Stufen und gute 41 Meter sind es hinauf zum Glück, und erlaubt sind höchstens sechs Zeugen.

Tausche Traumhochzeit gegen Tiny Wedding ...

Von hier oben, auf Deck 9, sieht auch die Welt tiny aus, aus kleinen Bullaugenfensterchen; die See trägt Gischt aus weißer Spitze. Standesamt Pellworm steht auf einer kleinen Holztafel an der Wand. Pellworms Markenzeichen ist noch aktiv: 42 Kilometer schießt seine Lichtkanone Signale ins deutsche Hoheitsgewässer, um Schiffe durchs Fahrwasser im Schlick zu leiten - und Ehelustigen den Weg zum Glück zu weisen. Paare, die imposante Traumhochzeiten gegen Tiny Weddings tauschen, um im winzigen Kreis zu heiraten, kuschelig und exklusiv. Was nicht heißt, dass eine intime standesamtliche Hochzeit auf besondere Momente und eine individuelle Note verzichtet.

Qualität schlägt Quantität, und jeder Schritt wird zum Highlight

jedes kleine Detail ist perfekt. Man rollt standesgemäß mit der Oldtimer-Limousine an oder tauscht magische Blicke vor der Trauung, um sie im Bild festzuhalten - gut für die Stimmung. Auch im Standesamt ist ein bisschen persönliche Deko erlaubt, von Ringkissen bis Gästebuch. Die Eheleute treten aus dem Portal? Ein kleines Spalier aus Luftballons und dezente Lieblingsmusik warten schon. Seifenblasen funkeln im Sonnenlicht. Gesten und Planung sind kleiner, der Caterer bleibt zu Hause, weil man ins Lieblingsrestaurant geht. Aber auch die Zahl möglicher Locations für das Hochzeitsdiner potenziert sich - von der Option, mit der ausgewählten Gästeschar - oder besser: Gruppe - in ein Refugium im Ausland auszuweichen, ganz abgesehen!

Auf die Beziehungen zu den Herzensmenschen kommt es an

Also wird gutes Geld schlicht für andere Dinge ausgegeben, wo nicht die Außenwirkung einer großen Hochzeit Priorität genießt. Statement-Pieces wie mehrstöckige Tortenkreationen in Herzoptik (sowieso out) weichen Sweet-Candy-Tischen voller Cake-Pops, Cupcakes und Macarons. Wer's mag, nimmt es einstöckig und reduziert, auch farblich: Im Trend liegt alles in cleanem Weiß, warmem Rosa und Orange. Garniert wird maximal mit - bitte frischen! - essbaren Blüten wie Rosen, Flieder, Kornblumen und Veilchen. Wozu sonst gibt es Gärtnereien, die auf Züchtungen für die Gastronomie spezialisiert sind?

Nach Pop-Up-Radweg jetzt Pop-Up-Altar

Berlin Neukölln kann auch unkonventionell: 50 Pop-Up-Hochzeiten - was für ein Wort! - erlebte seine Genezarethkirche unter Hochzeitsbaum und Hochzeitsbogen. Paare, von denen 33 angemeldet waren und sich 19 spontan Gottes Segen durch 18 Pfarrer abholten. Eine ganze Reihe Ornate warteten auf dem Bügel vor dem Gotteshaus auf den Einsatz beim zweiten Pop-Up-Hochzeitsfestival des Berliner Segensbüros. Hochzeitsspruch gefällig? Wurde kurzerhand aus einer goldenen Schale gezogen und das Hochzeitslied auf Wunsch live gespielt oder gesungen. Zum Abschluss gab es eine Erinnerungskarte mit Foto. Unbürokratisch und kostenfrei, brauchte es zur kirchlichen Trauung (kein Ersatz für die Trauung im Standesamt) nur die Vorlage des Ausweises.

Kostenexplosion, Planungswahnsinn? War gestern

Woher kommt die Lust auf Wandel? Teilweise ist die Pandemie schuld. Dass Corona neue Akzente setzte, ist glatt untertrieben - denn eigentlich fiel eine komplette Hochzeitssaison aus. Vieles ist nicht mehr wie vor Corona, feste Bräuche werden in Frage gestellt, was den Trend zum Tiny Wedding befeuert. Oder, wie manche sagen, zum Micro-Wedding. Bitte nicht, denn prosaischer, unromantischer geht es kaum - Assoziationen an Microwellen und Micropartikel im Gepäck. Trotz allem ist Heiraten keine technische Angelegenheit. Und erst recht keine Sparhochzeit und Downgrading-Notlösung im Stil vom Schloss zum Trailer. Sondern zu klein und fein, wie zum Tiny House. Das alles hat, alles kann - freundlich, winzig, putzig. Braucht es große Gesten und Inszenierungen von Romantik? Nicht zwingend. Was wir brauchen, ist eine ganz persönliche Entscheidung.

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