Artikel vom 20.10.2020

Lustvolles und Leidvolles teilen: Jetzt kirchlich heiraten?



Zum Standesamt? Gern sofort, aber kirchlich bitte später: Derzeit herrscht Flaute vor dem Altar. Vielerorts ist die kirchliche Trauung verschoben, Brautkleider warten vergebens auf dem Bügel. Doch nicht überall: Einige Bräute holen den maßgeschneiderten Traum in Weiß trotzdem ab, um ihn im Standesamt gebührend auszuführen.

Kirchliche Trauung und Hochzeitsfest zweimal geplatzt

Auch Tobias und Sabrina Stahl aus dem Kreis Olpe, NRW, hatten im letzten Sommer im Standesamt Ja! gesagt. Kirchliche Trauung und anschließende Hochzeitsfeier mussten sie jedoch wegen der Pandemie absagen - bereits zweimal. Beim ersten Mal ließ der Lockdown die kirchliche Hochzeit im Juni 2020 platzen. Also nahm man einen zweiten Anlauf, für den Oktober. Leider knackte der Kreis Olpe jetzt die Schwelle von 50 - und schredderte so den Hochzeitstraum erneut. Kurz überlegte das Paar, in eine Location nebenan in Siegen-Wittgenstein umzuziehen. Aber entschied sich angesichts auch dort steigender Fallzahlen dagegen: Zu groß war die Angst, Familie und Freunde erneut enttäuschen zu müssen.

Standesämter gut besucht, Kirchen leer

In den Standesämtern dagegen ist fast schon wieder Normalität eingekehrt: Verzeichnete man dort noch zu Beginn der Pandemie einen Rückgang der Eheschließungen, weil etliche Paare ihre Pläne änderten, pendelt sich die Zahl der Trauungen wieder ein. Die Rahmenbedingungen diktiert weiterhin die aktuelle Corona-Lage. Gleichzeitig haben auch die Kirchen Gottesdienst-Routinen entwickelt - und könnten auch größere Hochzeitsgesellschaften bei sich begrüßen - zu Trauungen im Rahmen der Corona-Schutzverordnung. Warum also bleiben die Brautpaare aus? Nun - kaum jemand hat Lust, mit Traditionen zu brechen: Der Gang vor den Traualtar gilt als Startpunkt großer Festlichkeiten, zu denen Freunde und Familie oft von weither anreisen.

Himmlische Freuden, Irdische Kosten: Unmöglichkeit der Leistungserbringung

Verschobene Hochzeitstermine haben nämlich ganz irdische Aspekte! Nicht nur beim erwähntem Paar aus dem Kreis Olpe stapeln sich jetzt ungenutzte Menükarten und Gastgeschenke, weil die Hochzeitspläne auf eine unbestimmte Zeit nach Corona vertagt sind. Der Aufwand ist nicht ohne: Nicht nur dem Pfarrer, auch Location, DJ & Co. ist abzusagen. Und wer zahlt für die geplatzte Hochzeit? Was sich wo zurückfordern lässt, hängt von den aktuellen Regelungen vor Ort ab. Zur Trauung in die Kirche oder zu Standesamt? Ja, unter Beachtung des Kontaktverbots und ohne Umarmung bei der Gratulation. Großes Hochzeitsevent im Anschluss? Ein klares Nein - auch zu Zahlungsverpflichtungen, Stornokosten eingeschlossen - überall dort, wo Behörden einer Hochzeit pandemiebedingt den Riegel vorschieben. Weil bei Hochzeitsfeiern mit mehr als der erlaubten Gästezahl der Zweck der Anmietung entfällt. Eine Kultur- oder Freizeitveranstaltung ist eine Hochzeit ebenfalls nicht: Weil das Gutscheingesetz nicht für private Festlichkeiten gilt, müssen Sie Gutscheine nicht akzeptieren.

Verschoben ist nicht aufgehoben: Kirchliche Trauung planen

Überall heißt es: Trauung nur unter Auflagen! Momentan machen viele Kirchengemeinden die typische Erfahrung, dass verabredete Trautermine um exakt ein Jahr nach 2021 verschoben werden. Einschließlich des vorbereitenden Traugesprächs - z. B. mit dem evangelischen Pastor, zu dem eigene Lieder, Trausprüche und Ideen für den Traugottesdienst mitgebracht werden können. Über Wünsche und Erwartungen an das Sakrament der Ehe und den Ablauf der Trauung sprechen? Das Bistum Augsburg bietet die bei Paaren katholischen Glaubens übliche Ehevorbereitung auch in diesem Jahr an - aber als Online-Seminar.

In guten und schlechten Tagen: Erfahrungen teilen

Darüber hinaus öffnen Kirchen coronafrustrierten Paaren ganz bewusst ein Ventil: Die Diözese Augsburg beispielsweise lädt Brautleute ein, ihre Geschichte der abgesagten kirchlichen Trauung und verschobenen Hochzeit anonym mit anderen Betroffenen zu teilen. Und fragt: Was hatten Sie ursprünglich geplant? Wie geht es Ihnen gerade? Und wie sehen die Zukunftspläne aus? Sicher ist: Ob in guten oder schlechten Tagen, in Gesundheit oder Krankheit: Eine kirchliche Trauung bleibt ein öffentliches Bekenntnis vor Gott und den Menschen. Weshalb der Gang vor den Altar eigentlich mehr sein sollte als das Sahnetüpfelchen auf dem Party-I, oder?

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