Artikel vom 30.06.2022

Hochzeit unterm Regenbogen feiern: Wie weit ist die Welt, beim Thema Homo-Ehe?



Die Schweiz hat Ja! gesagt - zur Ehe für alle. Ab dem 1. Juli können nun auch gleichgeschlechtliche Paare in der Eidgenossenschaft standesamtlich heiraten. Der riesige Ansturm bleibt allerdings aus. Doch warum ist das ein gutes Zeichen? Und was tut sich beim Thema queere Hochzeit und Gleichberechtigung anderswo?

Stichtag 1. Juli: Schweiz öffnet Ehe für alle

Ein Tag, auf den viele Schweizerische Paare sehnlichst gewartet haben. Trotzdem bleibt der Sturm aufs Standesamt aus, doch eine kleine Welle, so das Zivil-Standesamt St. Gallen, spüre man schon. In Basel treten im Juli zwölf Paare vor den Standesbeamten, im August werden es fünf, im September nach aktuellem Stand drei Brautleute sein. In Luzern, wo pro Jahr gut 600 Trauungen vollzogen werden, sieht es zahlenmäßig ähnlich aus. Bis Jahresende freuen sich dort rund 50 schwule und lesbische Verlobte auf ihren großen Tag im Standesamt. Und im großen Zurüch? 250 Termine wurden hier reserviert. Im Kanton Wallis will man den 1. Juli gebührend feiern: Das kantonale Amt für Gleichstellung und Familie und die LGBTQ+-Organisation Alpagai planen ein großes Fest. In Zurüch findet ein Apéro statt, um das historische Datum zu begießen, auch der Stadtrat ist geladen. Dagegen gibt sich Aarau unaufgeregt: Dort bleibt das Standesamt einfach zu - weil am 1. Juli der traditionelle Maienzug stattfindet.

Queere Partnerschaften in der Mitte der Gesellschaft angekommen?

Allerdings sind nur ein Zehntel der Trautermine ganz neue Heiraten. Den Hauptteil stellen nämlich nicht frisch Getraute, sondern alte Hasen. Paare, die ihre bereits registrierte Partnerschaft zur Ehe umwandeln lassen. Seit 2007 gibt es in der Schweiz die Option der eingetragenen Partnerschaft. So ist die Ehe für alle schon länger gelebter Alltag - nur nicht offiziell, auf dem Papier. Also auf zum Standesamt - nicht selten, um sich auch als queeres Paar endlich den ersehnten Kinderwunsch im Rahmen gemeinsamer Adoption zu erfüllen. Am 26. September 2021 hatten 64,1 Prozent der Schweizer für die Regebogenehe votiert.

Church of Scotland öffnet Kirchen für queere Hochzeiten

Schwule oder lesbische Paare, die vor den Traualtar treten, um sich neben dem staatlichen Siegel auch den kirchlichen Segen abzuholen? Längst noch nicht überall selbstverständlich, der Wandel vollzieht sich in Trippelschritten. Gerade hat - nach den Anglikanern der Scottish Episcopal Church in 2017 - die Church of Scotland beschlossen, auch gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. So entschieden durch die Generalversammlung der schottischen Protestanten. Pastoren und Diakone der Presbyterianer dürfen künftig auch queere Paare trauen, von denen nicht wenigen der kirchliche Segen ihrer Liebe wichtig ist. Die Entscheidung beendete einen jahrelangen Streit: Die Abstimmungsverhältnisse zeigen unmissverständlich, wie hart um diese Neuerung gerungen wurde. Nur 274 Mitglieder der Versammlung stimmten dafür, ganze 136 dagegen. 2021 hatten sich bereits die Methodisten in Großbritannien zur Öffnung der kirchlichen Trauung für queere Menschen entschlossen. Doch wie hält es die anglikanische Church of England, größte Glaubensgemeinschaft im Vereinigten Königreich, damit? Dort möchte man weiter keine Trauungen Gleichgeschlechtlicher durch anglikanische Priester in den Kirchen und Kathedralen sehen.

Familie als Basis der Nation - Schwule und Lesben bitte draußen bleiben

Übrigens ist die Schweiz mit ihrem Votum eher spät dran. Andere europäische Länder sind da weiter; in Deutschland gibt es die Homo-Ehe seit 2017. Aber längst nicht alle: In Italien oder der Slowakei bleiben gleichgeschlechtliche Ehen auch im Jahr 2022 weiter ein Tabu, die Unterschiede zwischen westlichen und östlichen Ländern Europas sind erheblich. Mehr noch: Länder wie Ungarn gehen in eine andere Richtung - und beschneiden die Rechte queerer Bürger, statt diese zu erweitern. Entsprechend gilt in Ungarn seit 2012 nur ein Bund zwischen Mann und Frau als Ehe, verknüpft mit dem Verständnis von Familie "als Basis des Fortbestands der Nation". So steht es seither in der ungarischen Verfassung.

Wer beim Thema Gay-Marriage über den europäischen Tellerrand blickt ...

... sieht ein Bild, das von Morddrohungen, Gefängnis und Zwangsehen geprägt ist. So ist Usbekistan nur ein Beispiel vieler Länder, in denen queere Menschen gefährlich leben. Laut Artikel 120 Strafgesetz sind in dem früheren Sowjetstaat sexuelle Beziehungen zwischen Männern verboten, gleichgeschlechtliche Beziehungen ein "Verbrechen gegen Moral und Familie". Die Vereinten Nationen haben Usbekistan bisher ohne Erfolg gemahnt, Artikel 120 zu streichen. Allein 2021 wurden dort 36 Menschen zu bis zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Etwas, das harmlos anmutet - angesichts der Tatsache, dass auf Homosexualität in etlichen Staaten der Erde noch die Todesstrafe steht. Dabei geht es lesbischen Frauen kaum besser: Viele werden in Zwangsehen getrieben. Einen Ausweg, gesellschaftlichen Repressalien zumindest teilweise zu entkommen, bieten Scheinhochzeiten zwischen queeren Frauen und Männern. Diese nehmen auf speziellen Internetportalen Kontakt auf. Keine ideale Lösung, sondern ein ungeliebter Kompromiss, der in ein Doppelleben mündet.

Immer im Juni: 30 Tage Pridemonat, um für queere Rechte zu streiten!

Im Juni ist Pride Monat: 30 Tage, in denen gleichgeschlechtliche Paare weltweit ihre Identität zelebrieren und für Gleichberechtigung kämpfen. Denn noch längst nicht überall auf der Welt können schwule und lesbische Brautleute sie selbst sein. Menschenrechtsorganisationen nutzen diesen Monat jedes Jahr, um diskriminierende Strukturen anzuprangern. Gewusst? Es ist erst 30 Jahre her, dass die Weltgesundheitsoganisation (WHO) offiziell bestätigte, dass Homosexualität keine Krankheit ist - während Transidentität bis heute im Diagnosekatalog des ICD steht. Doch in wievielen Staaten der Erde dürfen gleichgeschlechtliche Paaren inzwischen heiraten? Bisher in nicht mehr als 30.

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