Artikel vom 28.03.2019

Der Brexit naht: Schnell noch zum Standesamt?



Brexit mit oder ohne Deal oder Exit vom Brexit? Derzeit ist alles offen. Eine politische Entscheidung, die über das Schicksal zahlreicher Paare bestimmt: Jetzt noch schnell zum Standesamt? Ja, sagte ein Paar aus Münchehagen - besser rechtzeitig Nägel mit Köpfen machen.

Angst vor dem Brexit: Ungeplante Liebesehe

Die letzten 15 Jahre für Valerie Grill und Jon Taylor kein Problem: Ohne Trauschein zusammen in Deutschland leben. Doch der Brexit ändert alles. Am 22. Februar trat das Paar aus Münchehagen am Steinhuder Meer vor den Standesbeamten im Rathaus von Rehburg-Loccum. Anschließend meldete sich Jon gleich im Bürgerbüro an. Bisher hatte der Tischler und Zimmermann von der Reisefreiheit innerhalb Europas profitiert - und lebte und arbeitete quer durch die EU, von Großbritannien bis Frankreich. Mit dem Brexit kam die Angst, Deutschland verlassen zu müssen. Mit dem Weg vors Standesamt hat Taylor nun ein Aufenthaltsrecht.

Deutsche heiratet Engländer: Automatisch britischer Pass?

Ein möglicher Brexit kratzt auch an praktischen Lebensgrundlagen, Basis, um sich überhaupt für Heirat und Ehe zu entscheiden. Menschen wie Jon stehen vor dem Problem, die Anerkennung ihrer Qualifikation neu zu erkämpfen. In Jons Fall die Genehmigung durch die Handwerkskammer, denn Großbritannien kennt keinen Gesellenbrief. Weitere Fragen, die Briten umtreiben: Gilt mein britischer Führerschein hier weiter? Und können meine Verwandten unkompliziert zur Hochzeit einfliegen? Umgekehrt hat so mancher in Großbritannien lebende Deutsche schon einen Reisepass beantragt. Kommt der Brexit, kommt die Visumspflicht für EU-Bürger. Denn der Weg vors Standesamt bedeutet keinesfalls, dass deutsche Braut oder Bräutigam den britischen Pass erhalten. Sondern nur verbesserte Chancen darauf bzw. auf die doppelte Staatsbürgerschaft, sofern man lange genug auf der Insel gelebt hat.

Bürgerämter informieren: Was im Brexitfall passiert

Anyway - deutsche Bürgerämter sind auf den Brexittermin vorbereitet und haben Antworten auf die brennendsten Fragen zum Rechtsstatus britischer Staatsangehöriger, ihrer Angehörigen und möglicher Einbürgerung. Je nach geregeltem oder ungeregeltem Austritt sind die Brexitfolgen unterschiedlich: Kommt ein geregeltes Austrittsabkommen zustande, läuft eine Übergangsphase - bis 31. Dezember 2020. Während dieser gelten für Großbritannien weiter alle Freizügigkeitsregeln eines EU-Mitgliedstaates. Geregelt = günstig für alle Briten, die vor dem 31.12.2020 nach Deutschland ziehen. Denn ihre bisherigen Freizügigkeitsrechte sollen weitgehend erhalten bleiben - und das auf Lebenszeit. Aber auch ein ungeregelter Austritt ist für (noch) unverheiratete Briten kein Grund zur Panik. Niemand muss sofort ausreisen. Erst im Brexitfall ist innerhalb von drei Monaten ein Antrag auf Aufenthaltstitel bei der Kommunalen Ausländerbehörde zu stellen. Dabei werden sich britische Staatsangehörige und ihre Familien, die seit über fünf Jahren in Deutschland leben, voraussichtlich über eine unbefristete Niederlassungserlaubnis freuen können. Briten allerdings, die sich einbürgen, aber gleichzeitig die britische Staatsangehörigkeit behalten möchten, raten die Bürgerämter, dies so schnell wie möglich zu beantragen.

Ab unter die Haube: Europapolitik schmiedet Ehen

Von einem möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU sind europaweit mehr als 2,2 Millionen Briten betroffen. Allein in Deutschland leben um 100.000 britische Staatsbürger. Die Entscheidung der Frage, ob Großbritanniens die Europäische Union verlässt und wie, hat für viele sehr persönliche Konsequenzen. Folgen, die ein wenig absurd anmuten, weil sie das Privatleben massiv beeinflussen. Paare, die keine begeisterten Hochzeitsfans sind, sehen sich vielerorts gezwungen, ganz intime Entscheidungen wie den Weg aufs Standesamt von politischen Weichenstellungen abhängig zu machen. Wo werden wir in 20 oder 30 Jahren leben? Getrennt oder weiter zusammen? Um nichts Geringeres geht es: Der Sommer 2019 wird noch einige Hochzeiten sehen ...

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