Artikel vom 02.03.2022

Liebe kennt kein Alter: Wann ist die beste Zeit für ein 'Ja, ich will'?



Der 22.2.22 - ein Datum, das im Kopf bleibt. Auch bei leichter Altersschusseligkeit, denn nicht nur junge Brautpaare hatten sich diesen Termin im Heiratskalender vorgemerkt. Auf dem Standesamt in Havelberg, Sachsen-Anhalt, schlossen jetzt auch drei Seniorenpaare den Bund fürs Leben. Gibt es ein ideales Alter, um zu heiraten?

Im Alter vor den Traualtar: Immer mehr tun es!

Gibt es das überhaupt, zu alt zum Heiraten? Oder ist es nicht vielmehr ganz schön mutig, im Rentenalter noch die Rathaustreppe zum Standesamt zu erklimmen? Die neuen jungen Alten sind rüstiger denn je. Wer noch gute Jahre vor sich hat, möchte diese oft nicht allein verbringen, sondern jemanden haben, mit dem man vieles teilen und gemeinsam alt werden kann. Die Zahl der Menschen, die sich im Alter nach Scheidung oder Tod des Ehepartners neu verlieben, steigt. Aller Romantik zum Trotz sind hier spezielle finanzielle Aspekte zu bedenken. So hat ein Partner nach der Hochzeit eventuell weniger im Portemonnaie: Hat einer der Eheleute gute Einkünfte, kann dem anderen, der von Grundsicherung lebt, diese gestrichen werden; auch die Hinterbliebenenrente entfällt bei erneuter Heirat. Über die Erbreihenfolge müssen sich verliebte Gold-Ager ebenfalls Gedanken machen. Denn mit der Heirat wird der neue Partner erbberechtigt und dessen Kinder ebenfalls, was die eigenen spürbar benachteiligen kann. Zu den Vorteilen des Ehestandes gehört, bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit des anderen ein Recht auf ärztliche Auskunft zu haben. Aber jeder ist auch in der Pflicht, sein Vermögen aufzuwenden - z. B. für einen Platz im Pflegeheim.

Wie alt muss man sein, damit eine Ehe hält?

Vor ein paar Jahren war diese Frage sogar Gegenstand einer Studie. Manche scheinen zu jung fürs Eheglück zu sein: Erst 20 und schon heiraten? Wartet doch noch, mahnt die Familie. Die Überzeugung, dass im reiferen Alter geschlossene Ehen mehr Bestand haben, hält sich hartnäckig in den Köpfen. Eine Studie von Nicholas H. Wolfinger, Universität Utah, bestätigt dies zunächst. Der Sozialpsychologe fand heraus, dass das höchste Scheidungsrisiko Paaren unter 20 droht. Gerade noch Teenager, dann auf dem Weg in die Selbstständigkeit, sei dieses Alter für junge Ehepartner von zahlreichen Veränderungen geprägt. Bei Paaren, die mit 20 heiraten, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Ehe später zerbricht, um 50 Prozent höher als bei Brautleuten, die bis zum Alter von 25 warten.

Sind Ehen mit Ü-30 zum Scheitern verurteilt?

Anschließend sinkt diese Scheidungswahrscheinlichkeit mit jedem weiteren Jahr. Mit 32 ist dann jedoch jäh Schluss: Ab hier geht das Trennungsrisiko wieder nach oben. Als Grund dafür machte Wolfinger aus, dass Partner mit gesetzterem Lebensalter immer mehr Ex-Partnerschaften zu verzeichnen haben. Darunter sind oft auch Verbindungen mit Kindern, was die neue Ehe belasten kann. Außerdem ist der US-Wissenschaftler überzeugt, dass Menschen, die sich mit der Ehe bis Ende 30 Zeit lassen, von Haus aus ein weniger gutes Händchen für glückliche Beziehungen haben. Dies sei daran zu sehen, dass diese vorher lange vergeblich nach dem Traumpartner gesucht hätten. Aber auch glückliche Paare beeinflussen die Statistik - jene, die ein Talent für das Liebesglück haben, aber dazu keinen Trauschein brauchen.

Scheiden lassen als Barometer gesellschaftlichen Wandels

Noch 1995 war dieses Risiko einer Trennung für Menschen ab 35 deutlich geringer. Im Laufe der Generationen entfaltet gesellschaftlicher Wandel auch seine Wirkung auf das Scheidungsverhalten. Aktuell treten viele Babyboomer vor den Scheidungsrichter. Eine Generation, die anders als frühere durch größere finanzielle Unabhängigkeit der Partner, vor allem der Ehefrauen geprägt ist. Wer hier glücklich verheiratet ist, hält zur Stange, wer nicht, trennt sich. Versorgt zu werden ist für viele kein Grund mehr, in einer unglücklichen Beziehung auszuharren.

Wann ist die beste Zeit? Heiraten ist Herzenssache

Glaubt man der Forschung, ist das Risiko, geschieden zu werden, am geringsten, wenn Sie zwischen 30 und 32 in den Bund der Ehe treten. Alle, die schon 31 und noch immer unverheiratet sind, sollten sich also sputen, oder? Entspannen Sie sich. Kein Grund, in Panik zu verfallen: Menschen heiraten weiterhin in allen Altersgruppen und führen glückliche Ehen. Leider gilt das umgekehrt auch für all jene, deren Beziehung scheitert. Entscheidender ist die richtige Einstellung - nämlich aktiv daran zu arbeiten, dass eine Ehe hält, in guten und in schlechten Tagen. Und überhaupt: Ganz gleich, wie alt wir sind - was für ein Glück, wenn der oder die Richtige schließlich auftaucht. Einfach machen, denn Heiraten im Alter ist vor allem Grund zur Freude. Oder, um mit Coco Chanel zu sprechen: Alter schützt nicht vor Liebe, aber Liebe vor dem Altern!

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