Artikel vom 22.11.2019

Kein Termin für die Liebe: Bitte hinten anstellen!



Ein Freitagnachmittag irgendwo in Deutschland: Die Frühlingssonne streut ihr sanftes Licht ins ehrwürdige Gemäuer, ein Ambiente wie im Märchen. Soweit die Theorie, denn in Deutschlands Standesämtern herrscht Chaos - namens Personalnot. Berlin-Mitte schießt aktuell den Vogel ab: Wer hier heiraten will, sollte sich schon einmal warme Gedanken machen.

Schlange stehen für Terminmarken

Vor dem Standesamt in Berlin-Mitte, Parochialstraße, formiert sich gegen 22.30 Uhr eine Schlange aus über zehn Wartenden. Darunter ein Vater, dessen Sohn bereits über eine Woche auf der Welt ist - obwohl Geburten laut Personenstandsgesetz innerhalb einer Woche dem Standesamt anzuzeigen sind. Ein anderer steht nicht zum ersten Mal für eine Änderung im Ausweis an. Endlich! Gegen 5.30 Uhr erscheint der Pförtner und vergibt fünf Terminmarken. Die übrigen Wartenden gehen leer aus. Denn in Berlin-Mitte ist derzeit nur ein Standesbeamter im Einsatz, weshalb während der offiziellen Öffnungszeiten nichts mehr geht. Wer es regulär versucht, wird auf die beschriebene, nächtliche Alternativprozedur verwiesen.

Berlin: Fast 40 Standesbeamte zu wenig

Teil des Problems: Ob Geburtsanzeige oder Trautermin, Bürger müssen sich im Standesamt ihres Wohnbezirks anmelden. Glücklich in den Wartebereich vorgerückt, dauert die Bearbeitung oft noch einmal Stunden. In Nord- und Ostdeutschland sind Personalengpässe seit langem auf der Tagesordnung, doch die Hauptsstadt führt die Negativliste überforderter Standesämter an. So fehlen in Berlin aktuell fast 40 Standesbeamte. In Charlottenburg-Wilmersdorf würden 2018 ganze 7271 Trauanträge gestellt, jedoch nur 6244 Ehen geschlossen. Wer dort einen Termin ergattert, muss über zwei Monate bis zur Trauung warten. Leider hakt auch die - eigentlich zeitsparende - Online-Terminvergabe.

Hochzeit planen: Nehmen, was der Terminkalender hergibt

Die Termine für Trauungen würden "den aktuellen personellen Möglichkeiten angepasst", heißt all dies im Amtsdeutsch - zwar nicht flächendeckend, aber vielerorts in der Republik: Da werden bereits vergebene Termine wieder gestrichen oder bei den besonders beliebten Freitagen und Samstagen von Mai bis September geknapst. Wie in Magdeburg, wo an Freitagnachmittagen gar nicht mehr und auch am Schnapsdatum 9.9.2019 nicht geheiratet wurde. Leider ein Montag, und da hat das Standesamt ebenfalls geschlossen. Vorbei die Zeiten, im Standesamt der Wahl Ja! zu sagen: Brautpaare nehmen, was der standesamtliche Kalender hergibt. In Magdeburg sind von zwölf Stellen im Standesamt nur sieben besetzt. Vereinzelt durchlaufen Sachbearbeiter Qualifizierungen - ein Tropfen auf den heißen Stein, um Personalnot minmal aufzufangen.

Eheschließungen: Will es keiner machen?

Eigentlich eine gute Nachricht: Die Heiratslust der Deutschen ist ungetrübt, zudem auch die Zahl gleichgeschlechtlicher Ehen steigt und die Scheidungsrate bundesweit rückläufig ist. Dabei fehlt es im Beispiel Berlin nicht an Geldmitteln- Leider hätten per Stellenausschreibung generierte Bewerber, so eine Stadträtin, kurzzeitig abgesagt sowie gleichzeitig Standesbeamte den Bezirk gewechselt. Sind Führungsprobleme für dieses Abspringen verantwortlich, wie manche munkeln? Derweil klafft eine mehr als spürbare Lücke. Berlin bemüht sich, hier mit Maßnahmen wie Einsatz nach Arbeitsaufkommen, Coachings und Änderungen bei der Terminvergabe gegenzusteuern - und mahnt die Geburtskliniken, ihre Geburtsanzeige zu optimieren. Bereits Anfang 2018 ließ der Berliner Senat die Situation in sämtlichen Standesämtern untersuchen - und wollte zur Entlastung der Standesbeamten eine zentrale Servicestelle einrichten sowie neues Personal einstellen.

Gut Ding will Weile haben ...

Beides steht bis heute aus. Und in anderen Städten? Versucht man, die Lücke durch Ehrenamtliche zu schließen. Wie in Marl, wo im vergangenen Jahr 180 von 450 Brautpaaren zunächst abgelehnt bzw. an die Nachbarkommunen verwiesen wurden: "Gehen Sie doch nach Bochum!" Jetzt erkunden Rathausmitarbeiter Neuland - und durchlaufen eine Prüfung zum Trau-Standesbeamten. Anderswo fühlen sich sogar Feuerwehrmänner und Ingenieure ins Trauzimmer berufen. Aber - warum nicht einfach aufs Tempo drücken? Sämtliche Daten werden online vorausgeschickt. Und dann? Tür auf, auf die knappe Frage der Fragen mit einsilbigem Ja! geantwortet, Tür zu - erledigt. So ließe sich die Zahl der Trauungen pro Tag durchaus verzehnfachen.

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