Artikel vom 05.07.2021

Gottseidank, ein Ehevertrag! Trennung besser in guten Zeiten regeln



Alles ist anders, nach dem Gang zum Standesamt, nicht zuletzt beim Thema Finanzen! Sogar eingefleischte Romantiker wissen: Ist die Leidenschaft erkaltet, gewinnt die Ratio die Oberhand. Und sei dies auch nicht der Fall - ein Ehevertrag macht oft Sinn, denn (Vermögens-)Verhältnisse können sich andern. Auch Model Marie Nasemann und Ehemann Sebastian Tigges entschieden sich jetzt dafür.

Nasemann und Tigges: Auch in der Ehe unabhängig sein

Das Bewusstsein für die Thematik steigt allerorten: Seit dem 25. Mai 2021 sind Model und Umweltaktivistin Marie Nasemann und Sebastian Tigges ein Ehepaar - und sagen Ja! zum Ehevertrag. Sich über seine Finanzen klar zu sein und sich gerecht behandelt zu fühlen nennen sie als Basis einer glücklichen Beziehung. Das verdiente Geld gehöre allen als Familie, ganz gleich ob Care-Arbeit oder Erwerbsarbeit. Auch soll jeder über einen monatlichen Betrag für Hobbys oder Shopping frei verfügen können, der bei Trennung nicht eingerechnet wird. Auch legten die Partner fest, dass keiner sein Unternehmen veräußern muss, um den jeweils anderen auszuzahlen. Lange Unterhaltszahlungen wurden ebenfalls ausgeschlossen. Ziel und Motivation: Finanzielle und berufliche Unabhängigkeit - auch in der Ehe.

Güterstand: Finanzielle Eheweichen stelllen

Finanzfragen entscheiden oft wesentlich darüber: Bleiben wir auf Dauer als Paar zusammen oder nicht? Ob Anschaffungen, die Entscheidung für ein Kind oder für die Altersvorsorge, die Einstellung zum Geld und wieviel jede(r) davon in die Ehe einbringt, spielt eine wichtige Rolle. Wer in Deutschland vor den Standesbeamten tritt, hat drei Güterstand-Optionen, das Finanzielle für die Zeit nach der Hochzeit zu regeln: Gütergemeinschaft, Gütertrennung oder Zugewinngemeinschaft. Sie haben gar nichts vereinbart? Dann gilt für Sie mit der Unterschrift im Standesamt die Zugewinngemeinschaft bei Vermögensaufteilung und Unterhalt im Fall der Scheidung. Jeder Ehepartner behält sein Vermögen. Doch wer in der Ehe den größeren Zugewinn hat, tritt bei Scheidung 50 Prozent der Differenz an den anderen ab.

Wann macht ein Ehevertrag Sinn?

Nicht nur vor der Hochzeit, auch noch Jahre danach ist ein Ehevertrag möglich und sinnvoll. Auch ist von Zeit zu Zeit zu prüfen: Passt der einst geschlossene Ehevertrag noch zu unserem Lebensentwurf mit Karriere- und Familienplanung? Prinzipiell gibt es drei Hauptsituationen, in denen ein Ehevertrag sinnvoll ist: Wenn einer der Partner länger als drei Jahre die Kinder versorgt, wenn mit Erbschaften oder Schenkungen zu rechnen ist - oder wenn ein Unternehmer vor den Altar tritt. Ein Ehevertrag bedeutet, dass Sie ganz genau hinsehen, und zwar bei:

- Einkommen
- Unterhaltsansprüchen
- potenziellen Erbschaften
- Wertsteigerungen von Immobilien
- Rentenansprüchen

Denn ein Ehevertrag eröffnet Ihnen die Möglichkeit, eine Vielzahl individueller Entscheidungen niederzulegen: Der eine verzichtet wegen Kindererziehung auf die Karriere? Vereinbaren Sie einfach, dass der andere dafür dessen Altersversorgung aufstockt. Sie sind nach der Trennung weiter für die Kinder verantwortlich? Lassen Sie sich einen Anspruch auf Unterhaltszahlungen verbriefen, der über die gesetzlich vorgeschriebene Frist hinausgeht.

Vorsicht! Das ist bei Immobilien und Altersversorgung zu beachten

Sie haben ein Haus mit in die Ehe gebracht, das derzeit stetig an Wert gewinnt? Bei Zugewinngemeinschaft müssen Sie im Fall der Scheidung die Wertsteigerung teilen. Es kann sich also auszahlen, Wertsteigerungen in Zeiten kletternder Immobilienpreise vertraglich aus dem Vermögensausgleich herauszunehmen. Oder zu vereinbaren, dass der Wertausgleich mit jedem Ehejahr steigt. Denn der Normalfall ist, dass während einer Ehe beide Partner Geld und Zeit in das gemeinsame Haus investieren. Wachsamkeit ist auch beim Thema Altersversorgung gefragt: Bei Versorgungsausgleich geht die Hälfte der eigenen Rentenansprüche an den anderen. Etwas, das je nach Konstellation extrem ungünstig sein kann. Etwa, wenn ein Ehepartner durch Immobilien oder Aktien gut fürs Alter vorsorgt, aber als Selbständiger nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt. Der andere, der dies als Angestellter sehr wohl tut, ist hier der Gekniffene: Während genannte Vermögenswerte nicht als Altersvorsorge zählen, muss der Angestellte die Hälfte seiner Rentenansprüche abtreten.

Jeder erhebt Anspruch auf Hund, Katze, Maus?

Ein Passus im Ehevertrag verhindert auch den Streit um vierbeinige Hausgenossen. Richtig gelesen - ein Haustier ist zwar ein Familienmitglied, aber trotzdem juristisch ein Gegenstand. Grund genug, Regelungen zu seinem Verbleib nach der Scheidung zu treffen. Dazu zählen - wie bei einem Kind - Vereinbarungen zu

- Besuchsrechten
- Kostenregelungen für den Tierarzt
- Versicherungen
- Ernährung
- Unterhalt
- Ferienregelungen

u. v. m.

In den USA, z. B. in Kalifornien und Alaska, werden die Interessen von Haustieren sogar in Gesetzesform gegossen. Wer in Deutschland klären will, wo es Fiffi oder Muschi besser hat, muss vor Gericht gehen. Als grobe Richtschnur gilt: Hierzulande gehört das Tier dem, der es in die Ehe eingebracht hat, der es während der Ehe erbte oder dem es geschenkt wurde. Wurde ein Tier gemeinsam angeschafft, steht es dem zu, der es besser versorgen und unterbringen kann: Die Geschäftsfrau ist viel auf Reisen, aber der Partner im Home-Office? Auch, wenn im Kaufvertrag ihr Name steht, sind die Chancen gut, dass der Richter den geliebten Mops ihm zuspricht (und er seine Ex-Frau entschädigen muss). Wenn die Kinder bei ihm leben, ist die emotionale Bindung ein Grund mehr für den Verbleib des Mopses beim Ehemann.

Scheidungswelle: Folgt auf die Coronakrise jetzt die Ehekrise?

Halten Sie sich bereit: Glaubt man neuesten Umfragen unter Ehepaaren, droht Deutschland bald eine Scheidungswelle. Häusliche Isolation durch Ausgangsbeschränkungen, Home-Office und Schulschließungen scheinen am Fundament so mancher Ehe genagt zu haben. Nicht bei Ihnen? Trotzdem: Regeln Sie eine mögliche Trennung in guten Zeiten, indem Sie Ehe und Finanzen unter eine Haube bringen. Statten Sie dem Notar Ihres Vertrauens einen Besuch ab, vor dem Gang zum Standesamt! Ein Ehevertrag sorgt für klare Verhältnisse - und sichert die Finanzen beider Ehepartner ab.

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