Artikel vom 19.07.2018

Ciao, Amtsmuff! Deutschland renoviert seine Trauzimmer



Neueste Statistiken bringen es an den Tag: Es wird wieder geheiratet! Jedes Jahr stürmen mehr Heiratswillige die örtlichen Rathäuser und Trauzimmer. Um dann herbe enttäuscht zu werden - zumindest, was das Ambiente angeht. Technik und Licht machen Probleme, die Möbel sind verschlissen. Doch der Wind im Standesamt dreht sich. Dort hat man verstanden, dass Brautleute und Gäste wenig Lust haben, den besonderen Tag in verstaubter Amtsstube zu zelebrieren.

Ja! sagen trotz Dachschaden

In Berlin Spandau, wo die Sanierung 2020 starten soll, kommt man jetzt zumindest fast ohne Baustellenflair aus: Weil sich immer wieder Bauteile aus der maroden Konstruktion des Rathausdaches lösten und bröckchenweise zu Boden prasselten, musste die Stadt Maßnahmen treffen. Also schritten die Eheleute in spe erst am Bauzaun entlang und anschließend durch eine hässliche Überdachung zum Eingang. Der Verschlag ist weg, dafür ziert ein grünes Netz das marode Rathausdach. Wenigstens ist das Trauzimmer schon frisch renoviert. Trotzdem, so der zuständige Dezernent, sei kein Hochzeitstermin abgesagt worden. Natürlich gibt es - wie fast überall bundesweit - auch hier schönere Trauorte, gegen Aufpreis.

Muff adé! Tapetenwechsel im Trauzimmer

Hoch im Norden der Republik das gleiche Bild: Auch das Standesamt Hamburg-Nord steht in den Ruf, hübschhässlich zu sein - Heiraten im Planetarium, auf der Alster oder einem Mississippi-Raddampfer sind nur einige der zahlreichen Hamburger Alternativen. Aber deutsche Trauzimmer holen auf - und schwingen Pinsel und Hammer gegen den Renovierungsstau. Das kostet: Mit 8.000 Euro ist der Tapetenwechsel, den sich Dortmund Eving nach 32 Jahren ohne Modernisierung gönnt, noch ein Pappenstiel. Klein, aber fein in Grau und Altrosa kommt das neue Trauzimmer im Forster Rathaus, Lausitz, daher. Bewusst an den intimen Kreis oder Kurzentschlossene gerichtet, bietet es Platz für sechs Gäste. Mehr unterbringen? Vielleicht im benachbarten Döbern - auch dort ist die Renovierung erledigt.

Schöner ehelichen! Von Parkett bis Durchblick

Dessau zeigte sich ein halbes Jahr als Baustelle, um seinen Umbau pünktlich vor Ostern abzuschließen. Jetzt präsentieren sich die Räumlichkeiten hell und freundlich: Ganz bewusst tauschte man Eiche rustikal gegen junges Mobiliar. In klaren Linien und mit Lounge-Charakter, bestrahlt von ringförmig platzierter Beleuchtung. Im Vorbereitungszimmer berät der Standesbeamte zukünftige Brautpaare auf glänzendem Parkett. Neben neuen Vorhängen wurde auch an mehr Platz für die Garderobe der Gäste gedacht, den Kleinsten versüßt eine Spielecke das Warten. I-Tüpfelchen: Ein Ja-Wort mit Symbolperspektive, weil direkt aus dem Fenster, während ein Tablet Backgroundmusik und Licht steuert. Ein Gesamtpaket, das Dessau eine sechsstellige Summe wert war. Auch in Augsburgs Maximilienstraße ist derzeit eingerüstet - für neuen Außenanstrich und Barrierefreiheit mit Aufzug. Noch sucht die Stadt Ersatzräume, neben Fürstenzimmer und Botanischem Garten als Trauorte. Kostenpunkt der Sanierung: Gut 2,4 Millionen Euro, aber schließlich heiraten hier bis zu 1500 Brautpaare pro Jahr! Calw im Schwarzwald lässt sich Wände mit Ahornverkleidung, Parkett und komplette Rathaussanierung sogar 18,8 Millionen kosten. Spezielles Highlight: Ein Trauzimmer mit einer Seitenwand komplett aus Glas.

Auf Wolke sieben - vor der Haustür

Nein, es ist nicht egal, wo derart wichtige Papiere unterschrieben werden! Ein Standesamt und Trauzimmer, das das Etikett "gar nicht so hässlich" trägt, genügt nie. Gut - nahezu jede Traumlocation ist, nötiges Kleingeld vorausgesetzt, möglich. Trotzdem nicht jedermanns Sache: Für Heiratslustige, die sich ihrem Stadtbezirk verbunden fühlen, steigen jetzt die Chancen, im Traumambiente Ringe zu tauschen. Wie in Steinhagen, Ostwestfalen-Lippe, wo nun frisches Himmelblau dominiert: Werk französischer Designer, schwebt eine Wolke sieben aus Textilmodulen entlang der Zimmerdecke. Romantik für Auge und Ohr, die ganz nebenbei die Akustik optimiert. Dazu gruppierte man türkisfarbene Polster mit Velours und Samt, der Holzboden erhielt einen frischen Schliff - alles zusammen für 60.000 Euro. Über 100 Trauungen sieht der kleine Ort pro Jahr. Kosten, die Steinhagens Bürgermeister okay findet - "wenn das dann wieder 35 Jahre hält".

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